Erlösoptimierung für Print-Verlage und Zeitungen
6. Januar 2012
Aktuell beschäftige ich mich (wieder) verstärkt wieder mit dem Thema Erlösoptimierung bzw. Erlössteigerung für Zeitungen, Zeitschriften und andere Angebote von Print-Verlagen. Welche Optionen haben Verlage aktuell bzw. welche könnten sie selbst noch schaffen?
Die meisten Tageszeitungen – sowie auch andere Print-Produkte und ihre Verlage – sehen sich weiterhin sinkenden Auflagen gegenüber stehen und damit einher gehend sinkenden Verkaufserlösen beim Kiosk, Abonnement bzw. Printwerbung. Dieser Trend besteht bereits seit mehreren Jahren, siehe auch hier. Die Handlungsoptionen sind hierzu vielfältig. Sie reichen beispielsweise vom Schließen der gesamten Printstrecke (wie bei France Soir) über Zusammeleguung der Redaktionen (wie bei Berliner Zeitung) bis hin zu Kooperationen mit externen Partnern.
Aus ökonomischer Sicht gibt es zwei grundsätzliche Handlungsoptionen:
(1) Kostenreduzierung
(2) Umsatzsteigerung
Kostenreduzierung ist insofern begrenzt, das nur maximal 100% aller Kosten eingespart werden können – und gleichzeitig bei 100% Kostenersparnis auch kein Betrieb mehr möglich wäre. Eine Umsatzsteigerung hat mehr Potenzial – auch und obwohl Zeitungen sinkende Erlöse gegenüber stehen. Die Erlösrückgänge sind vor allem im Kerngeschäft – also Print – zu verzeichnen. Somit können Erlössteigerungen neben einem unwahrscheinlichen Wiedererstarken des Print-Marktes wohl außerhalb des Print-Geschäfts gesehen werden. Nur vorab: Print wird meiner Meinung nach nicht sterben, aber sicher nicht mehr das Niveau der 90er Jahre erreichen. Pferdekutschen gab es früher vielmehr, diese gibt es selbst heute noch …
Zurück zur Umsatzsteigerung: Sinnvoll erscheint sich die “Brille des Kundens” zu nutzen. Tageszeitungen sind i.d.R. stark in ihrer Lokalität. Das ist ihre Kernkompetenz. Rund um diese Kernkompetenz können Zeitung sinnvolle (externe) lokale Mehrwertdienste integrieren. Diese können z.B. sein:
- Deal-Angebote – wie z.B. geschehen Westdeal, Sachsendeal
- Partnersuchen wie z.B. geschehen mit Parship auf der Berliner Morgenpost oder Sächsische Zeitung mit eDarling
- Trauer-Anzeigen wie z.B. geschehen beim Trierischen Volksfreund mit Trauer.de
- Immobilienanzeigen wie z.B. geschehen bei Saarbrücker Zeitung mit Immowelt
- Stellenanzeigen wie z.B. geschehen bei NOZ mit Stellenanzeigen.de
- Benzinpreisvergleich wie z.B. geschehen bei Spiegel mit Clever Tanken (wobei Spiegel natürlich keine Tageszeitung ist)
- Lokale Dienstleistungen wie z.B. geschehen bei Rheinische Post mit Betreut.de
Die Herausforderung für Zeitungen bestehen somit in der Vielzahl der Möglichkeiten ein attraktives, lokales Portfolio an Mehrwertdiensten zu definieren. Dabei sind natürlich auch die soziodemografischen und geografischen Besonderheiten zu berücksichtigen. So machen im ländlichen Gebiet wahrscheinlich keine Party-Deals Sinn. Weitere Punkte bei einer Erlösoptimierung für Zeitungen sind wohl:
- Die Erlösquellen werden sich entgegen einer bisher eher zentralen Quelle hin zu einer diversifizierten Umsatzquelle (durch unterschiedliche Kooperationspartner) verändern.
- Die Einzelangebote müssen besser verzahnt werden, z.B. wenn ein Nutzer einen lokalen Deal für ein Konzert kauft, dass er ggf. auch einen Babysitter bucht
- Die Verbindung der einzelnen Online-Angebot mit den Print-Strecken bietet enormes Reichweiten- und Umsatzpotenzial, trotz des Medienbruchs, z.B. über Integration von QR-Codes o.ä.
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