“Oma-Export” – Pflege im Ausland

Drehen wir den Spieß doch einmal um. Warum müssen die Pflegekräfte aus dem Ausland immer nach Deutschland kommen? Aufgrund der demographischen Entwicklung müssen immer mehr Personen ihre Angehörigen betreuen. Gleichzeitig sinkt aber die Bereitschaft dazu. Nimmt der “Oma-Export” zu? Eine aktuelle Studie von PwC zum Thema “Zukunft der Pflege – 2015” gibt hier interessante Einblicke.

Aktuell sind fast 3 Millionen Deutsche pflegebedürftig. Die repräsentative Umfrage von PwC zu diesem Thema zeigt nun: Würde es die eigene Familie treffen, wären gut drei Viertel der Bundesbürger bereit, den Partner oder einen nahen Angehörigen bei sich aufzunehmen und zu pflegen. Trotzdem erwarten gerade einmal 16 Prozent dasselbe von ihren Verwandten, sollten sie selbst zum Pflegefall werden. 54 Prozent der Befragten gaben an, lieber professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Familie nicht zu belasten. 31 Prozent sagten, sie hätten sich über die mögliche eigene Pflegebedürftigkeit noch keine Gedanken gemacht. Befragt wurden 1018 Bundesbürger ab 18 Jahren.

Viel interessanter sind die Erkenntnisse zum “Oma-Export”. Anders als sich der Begriff vielleicht als “Granny Au Pair” oder “Au-Pair-Oma” anhört, dreht sich es um die Pflege von Angehörigen im Ausland. Die Bereitschaft zur Pflege im Ausland hat sich in den vergangenen Jahren geändert; von einer bisherigen überwiegenden Ablehnung hin zu einer Offenheit beim “Oma-Export”. Inzwischen können sich fast 50 Prozent der Deutschen vorstellen, Angehörige im Ausland betreuen zu lassen. Dafür sehen sie aber zwei Kriterien als notwendig: Die Pflege muss mindestens 1000 Euro sparen und bei einem Viertel auch nur “wenn die Entfernung nicht zu groß ist, und ich meinen Angehörigen regelmäßig besuchen kann”. Hier zeigen sich die Aspekte “Kostendruck” und “Emotionale Verbundenheit”.

Dieser Pflegeaspekt zielt nicht auf die ambulante Pflege sondern insbesondere auf die stationäre Pflege. Ich habe hierzu eine geteilte Meinung: Zum einen bin ich gespannt, welche belastbaren und nachhaltigen Geschäftsmodelle sich daraus entwickeln; zum anderen ist die Frage nach passenden Standards und fairer Bezahlung der Pflege.

Wenn in Tschechien oder Asien die Pflegebedürftigen gepflegt werden, dann nur wenn die Pflegekräfte auch passend bezahlt werden. Darüber hinaus vertrete ich eher den Ansatz: Pflegebedürftigkeit durch Prävention verringern, schafft mehr Chancen, den Fachkräftemangel zu begegnen.

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